ETF bezeichnet einen börsengehandelten Fonds. Bei einem klassischen passiven Aktien-ETF bestimmt der gewählte Index, welche Unternehmen abgebildet werden. Der Fonds kann damit Zugang zu vielen Aktien schaffen. Das Kürzel allein sagt jedoch wenig darüber aus, wie unterschiedlich deren wirtschaftliche Risiken tatsächlich sind.

Zuerst den Index lesen, dann den Fonds vergleichen

Ein Fonds auf einen einzelnen Markt oder eine einzelne Branche hat einen anderen Schwerpunkt als ein breit angelegter Aktienindex. Die erste Frage lautet deshalb: Welchen Ausschnitt bildet das Produkt ab? Erst wenn dieser Ausschnitt feststeht, ist ein Vergleich mehrerer Fonds auf denselben Index sinnvoll. Sonst werden unterschiedliche Anlageideen anhand einer einzelnen Kostenkennzahl gegenübergestellt.

Zur Einordnung gehören die enthaltenen Länder und Branchen ebenso wie die Gewichte einzelner Unternehmen. Eine lange Liste von Positionen kann darüber hinwegtäuschen, dass wenige große Werte einen erheblichen Teil ausmachen. Das lässt sich nur aus der konkreten Zusammensetzung beurteilen, nicht aus dem Produktnamen.

Die Zahl der Positionen ist nicht ihr Gewicht

Ein bewusst vereinfachtes Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Ein Modellportfolio enthält 100 Aktien. Auf zehn davon entfallen zusammen 60 Prozent des Vermögens, auf die übrigen 90 nur 40 Prozent. Fallen ausschließlich diese zehn großen Positionen jeweils um zehn Prozent, sinkt der Gesamtwert rechnerisch um sechs Prozent. Dabei bleiben die anderen Kurse unverändert; Gebühren und sonstige Effekte sind ausgeblendet. Das Beispiel beschreibt keinen konkreten ETF.

Für einen Produktvergleich folgt daraus eine überprüfbare Frage: Welcher Anteil hängt an den größten Positionen? Zwei Fonds mit ähnlich vielen Aktien müssen deshalb nicht dasselbe Konzentrationsrisiko haben. Maßgeblich sind die tatsächlichen Gewichte und die Zusammenhänge zwischen den Anlagen.

Streuung verhindert keinen allgemeinen Kursrückgang

Auch ein breit gestreuter Aktienfonds kann deutlich an Wert verlieren. Wenn viele Märkte gleichzeitig fallen, schützt die Verteilung auf zahlreiche Titel nicht vor dem gemeinsamen Rückgang. Bei internationalen Anlagen können zusätzlich Währungsbewegungen eine Rolle spielen. Breite Streuung und ein garantiert stabiler Wert sind unterschiedliche Eigenschaften.

Kosten und Ertragsverwendung separat prüfen

Neben dem Index gehören die laufenden Kosten und die Art der Ertragsverwendung in den Vergleich. Ausschüttende Fonds zahlen Erträge aus; thesaurierende Fonds legen sie wieder an. Daraus entsteht keine Garantie für eine bessere Entwicklung. Auch ein günstiges Produkt bleibt den Risiken seiner Anlagen ausgesetzt.

Ein sinnvoller nächster Schritt ist ein Vergleich anhand derselben Fragen: Was bildet der Fonds ab, wo liegen seine größten Gewichte, was kostet er und wie verwendet er Erträge? Diese Angaben gehören nebeneinander. Ein niedriger Preis kann eine unerwünschte Konzentration nicht aufheben, und eine umfangreiche Titelliste ersetzt keinen Blick auf ihren Inhalt.