Ein Unternehmen kann sich über Eigenkapital oder Schulden finanzieren. Für Anleger entsteht daraus ein grundlegender Unterschied: Eine Aktie bedeutet Beteiligung, eine Anleihe eine Forderung. Beide Wertpapiere können an der Börse gehandelt werden. Was ihr Besitzer vom Unternehmen verlangen kann, ist jedoch verschieden.
Mit einer Aktie tragen Sie das Unternehmensrisiko
Aktionäre sind Miteigentümer. Sie können an Ausschüttungen teilnehmen, haben aber keinen garantierten Anspruch auf eine jährlich gleich hohe Dividende. Auch ein fester Termin, an dem das Unternehmen den Kaufpreis zurückzahlt, gehört nicht zur Aktie. Wer seine Beteiligung verkauft, erhält den dann am Markt erzielbaren Preis. Dieser kann erheblich unter dem Einstiegskurs liegen.
Eine angekündigte Dividende und ein vertraglich festgelegter Anleihezins sind deshalb unterschiedliche Größen. Die Dividende beschreibt eine mögliche Ausschüttung an Eigentümer. Der Kupon einer gewöhnlichen festverzinslichen Anleihe bezeichnet dagegen den vereinbarten Zins auf ihren Nennwert. Ob der Schuldner tatsächlich zahlen kann, bleibt eine eigene Frage.
Bei einer Anleihe zählen Anspruch und Zahlungsfähigkeit
Anleiheinhaber stellen Kapital als Kredit bereit. Die Bedingungen legen insbesondere Verzinsung und Rückzahlung fest. Wird der Emittent zahlungsunfähig, können Zinszahlungen und die Rückzahlung ausfallen. Auch Gläubiger können somit Geld verlieren. In einer Insolvenz werden Aktionäre grundsätzlich erst nach den Gläubigern berücksichtigt; bei Anleihen kommt es zusätzlich auf deren konkreten Rang an.
Ein fester Kupon bedeutet keinen festen Börsenkurs
Eine bereits ausgegebene Anleihe bleibt über ihren Marktpreis mit dem aktuellen Zinsumfeld verbunden. Steigen vergleichbare Marktzinsen, wird ein unveränderter, niedrigerer Kupon weniger attraktiv. Der Kurs einer festverzinslichen Anleihe kann fallen. Wer vor Fälligkeit verkaufen muss, kann dadurch einen Verlust realisieren, obwohl der Emittent seine laufenden Zinsen bezahlt.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert und einem jährlichen Kupon von drei Prozent zahlt 30 Euro pro Jahr, sofern der Schuldner leistet. Kostet sie an der Börse 950 Euro, bleiben es 30 Euro. Die laufende Verzinsung auf den Kaufpreis beträgt damit rund 3,16 Prozent. Das ist noch keine vollständige Renditeberechnung: Restlaufzeit, Rückzahlungsbetrag, Gebühren und gegebenenfalls Stückzinsen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Zwei verschiedene Fragen an dieselbe Firma
Für eine erste Prüfung lässt sich die Perspektive daher klar formulieren: Bei einer Aktie geht es um den Wert der Beteiligung und mögliche Ausschüttungen. Bei einer Anleihe stehen die vereinbarten Zahlungen und die Fähigkeit zur Bedienung der Schulden im Mittelpunkt. Eine hohe Ausschüttung oder ein hoher Kupon beantwortet diese Fragen allein nicht. Der nächste Blick gehört den Vertragsbedingungen und den wirtschaftlichen Verhältnissen des Emittenten.

